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Erfahrungsbericht der Mitgliederversammlung der LSV Bayern e.V. vom 15. bis 17. Januar in Karlstadt

05.02.2010:

05.02.2010:

"Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg zum Propheten", so erging es mir zumindest, mit dieser, meiner ersten Mitgliederversammlung, die freundlicherweise an meiner eigenen Schule, dem Johann-Schöner-Gymnasium in Karlstadt stattfand. Nachdem ich seit basis‘09 und einer zweifelhaften musikalischen Berühmtheit durch den "Telefonbuchsong", bereits Kontakte in der LandesschülerInnenvereinigung Bayern (=LSV) geknüpft hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich an einer der Mitgliederversammlungen (=MVen) teilnahm. Genau dieser Faktor, nämlich die Zeit, hat mir bei bisherigen MVen immer einen Strich durch die Rechnung gemacht, deswegen war ich auch sehr froh, dass diese sowohl terminlich als auch logistisch perfekt passte.
Vor lauter Vorfreude begann mein Wochenende schon reichlich früher als bei den meisten Teilnehmer_innen, nämlich mit einem Großeinkauf, der mir durch die sanft-berieselnden und stressmindernden Anweisungen einer ehemaligen Geschäftsführerin, wie ein Bummel in einem Tante Emma Laden vorkam... Ausgestattet mit Getränken, Brötchen, Nudeln und anderen Lebensmitteln, konnte die Tagung beginnen. Niemand konnte ahnen, dass sich die, ursprünglich als Nudeln gekauften Teigwaren im Verlauf des Kochens in eine unbestimmbare schleimige Substanz, irgendwo zwischen fest und flüssig verwandeln sollte. Ja, man könnte fast meinen, unsere gewieften Küchenfeen hätten einen vierten Aggregatszustand geschaffen. Es sollte jedoch auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Experimentierfreudigkeit der Geschäftsführerinnen im Laufe des Wochenendes nachließ und der kulinarisch abgestumpfte Gaumen der Teilnehmer_innen mit - nennen wir es einfach "Essen" - befriedigt wurde.

Nachdem der Hunger gestillt war, ging es nach einer kurzen Aufstellung von Tagungsregeln ins "World Café", einer Methode, bei der Kleingruppen Plakate zu Themen wie "Leistungsdruck" und "Inklusion" entwarfen, die die nachfolgenden Gruppen fortführen mussten. Dass man erst ein Mal ratlos war, was die Gruppe vor einem überhaupt mit ihren Stichpunkten auf dem Plakat auszudrücken versuchte, war zwar zeitweise ganz witzig, machte aber eine wirklich produktive Arbeit unmöglich. Trotzdem konnten sich die Teilnehmer_innen viele Gedanken zu den Themen machen und sich näher Informieren, was wohl auch Ziel der Methode war.

Was die Abendgestaltung anbelangt, zog sich mir ein Gedanke wie ein roter Faden durch die ganze Nacht: "Jetzt wäre es wohl langsam Zeit zu schlafen..." Doch wie oft trifft man schon so viele gleichgesinnte und interessante Menschen auf einem Haufen? Somit schob ich das mit dem Schlafen noch ein bisschen auf, um dann schließlich nach einer Vielzahl von unterhaltsamen Unterhaltungen irgendwann in der Nacht hundemüde in den Schlafsack zu fallen...um dann wiederum gefühlte zwei Minuten später geweckt zu werden. Eine kalte Dusche später, konnte der arbeitsreiche Samstag mit neu geweckten Lebensgeistern beginnen. Im Morgenplenum war ich schlichtweg beeindruckt von den LSVler_innen, die teilweise noch weniger geschlafen hatten, als ich, denen man jedoch nicht den Hauch von Müdigkeit ansehen konnte (abgesehen von einem verschlafenen Niels Niedermeier, der, wüsste er, was am Samstag noch auf ihn warten sollte, wohl nicht so morgenmuffelig auf meine "Guten-Morgen-Sonnenschein-Attitüde" reagiert hätte). Interessant war für mich am Vormittag die Vorstellung der zu wählenden Ämter, denn darum drehte sich schließlich diese MV. Von Daniel wurde ich, in meiner Gruppe gleich über zwei Positionen in der LSV informiert, nämlich die, der SeBearen und die, des Geschäftsführers für Finanzen. Die Rolle des Geschäftsführers durfte ich dann anschließend gleich mal für ein kurzes Rollenspiel ausüben, indem sich alle Ämter, um die Organisation einer fiktiven Mitgliederversammlung, Gedanken machten. In diesem Rollenspiel wurde deutlich, wie wichtig die Aufgaben der verschiedenen Geschäftsführer_innen, Delegierten, Expert_innen und natürlich des Landesvorstands sind.

Zusammen mit der Wahl stand noch ein anderes Thema im Mittelpunkt dieser MV, nämlich die Zusammenarbeit mit dem Landesschülerrat. So ist schnell aufgefallen, dass nur ein einziger Landesschülersprecher anwesend war und der zurückgetretene Landesvorstand Nicolas Lahovnik machte in einem kurzen Statement seine Meinung zu den Gründen für diesen Umstand deutlich. Mein persönlicher Eindruck von den Schilderungen zur aktuellen Situation war, dass wohl Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dass einer Zusammenarbeit aber von Seiten der LSV nichts mehr im Wege steht.

Als dann der Abend der Wahl und der Entlastungen näher rückte, war es an der Zeit, sich schick zu machen, was den Anwesenden unterschiedlich gut gelang. Drei junge Männer entsprachen überhaupt nicht dem Dresscode, konnten sich aber glücklicherweise Kleider in ihrer Größe und Passform leihen, in denen auch sie eine gute Figur machten. Somit konnte der offizielle Teil beginnen: Die Entlastungen.

Den ehemaligen Amtsinhaber_innen konnte man den Wehmut ansehen, den es bedeutete, einen Schlussstrich zu ziehen, unter den Teil ihres Lebens, der sie ausmachte, in den sie so viel Herzblut gesteckt hatten. Obwohl es meine erste Mitgliederversammlung war und ich wenige der Menschen wirklich gut kenne, merke ich schon jetzt, wie schnell man in der Schüler_innen_vertretung eine zweite Familie finden kann und wie stark der Zusammenhalt innerhalb dieser Vereinigung ist. Da fließt dann schon einmal die ein oder andere Träne, wenn es heißt, seine Aufgaben niederzulegen und die LSV, zumindest ein wenig, hinter sich zu lassen.
Ein paar emotionale Reden und eine Umarmungsorgie später, kam man dann zum Höhepunkt des Wochenendes: die Wahl der neuen Landesvorstände (=LaVo). Noch nie habe ich eine so demokratische Wahl miterlebt. Ja, sogar das Wahlgremium zur Auszählung der Stimmen wurde auf Antrag geheim gewählt. (Dem Aufmerksamen Leser wird sich hier die Frage aufdrängen, wer denn dann die Stimmen für diese Wahl ausgezählt hat, doch das wird wohl ein ewiges Mysterium bleiben...)

Um es kurz zu machen, die neuen, sogenannten "LaVos", sind: Niels Niedermeier, Sarah Houter und Markus Durst.
Bei der darauffolgenden Wahl wurden Mascha Obermeier und Michael Schubkarre als neue organisatorische Geschäftsführer_innen gewählt.
Am Sonntag hieß es dann wieder Abschied nehmen, was in der LSV eine weitere Umarmungsorgie bedeutet. Glücklicherweise sieht man sich jedoch bald wieder, nämlich auf der nächsten MV vom 26. bis 28. Februar 2010.

Um dieses ganze hochemotionale, hochunterhaltsame, hochinformative Wochenende zusammenzufassen, muss ich sagen, es hat sich mehr als gelohnt, meinen Schulleiter in den Ferien daheim anzurufen und ihn davon zu überzeugen, fünfzig wildfremde Schüler_innen in seiner Schule schlafen zu lassen (was sich auf Grund eines verständnisvollen Direktors als sehr einfach herrausstellte).

Vielleicht sind die bildungspolitischen Themen ein wenig zu kurz gekommen, aber die LSV muss sich wohl im neuen Jahr erst einmal zusammenfinden, bis sie den Kampf gegen Missstände in der Bildungspolitik aufnehmen kann.

Nicolai Fleischmann, Johann-Schöner-Gymnasium Karlstadt