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Intensivierungsstunden am achtjährigen Gymnasium - LSV-Konzept

16.06.2004: Forderungen der LSV zur Konzeption und Durchführung der Intensivierungsstunden am achtjährigen Gymnasium in Bayern.

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Intensivierungsstunden am achtjährigen Gymnasium in Bayern

Am achtjährigen Gymnasium werden sogenannte Intensivierungsstunden eingeführt. Diese sollen nicht der Wissensvermittlung, sondern vielmehr der Vertiefung schon gelernten Stoffes dienen. Für Intensivierungsstunden stellt das Kultusministerium zwei LehrerInnenstunden zur Verfügung, so dass die Klassengröße in diesen drei (bzw. später zwei) Stunden pro Woche halbiert werden kann.

Die LandesschülerInnenvertretung Bayern fordert seit langem, dass der schulische Lernbegriff neu gedacht werden muss. Sturer, lehrplanbasierter Unterricht hat keinen Platz mehr in einer Wissensgesellschaft, steht an bayerischen Gymnasien aber immer noch großteils auf dem Stundenplan. Uns ist bewusst, dass das achtjährige Gymnasium diese Situation eher noch verschlimmert; trotzdem sehen wir in den Intensivierungsstunden die Möglichkeit, wenigstens für drei Stunden in der Woche Unterricht zu verändern.

Damit aber aus Intensivierungsstunden nicht nur noch intensiveres Einpauken nach Lehrplan wird, möchten wir unsere Vorstellungen an eine Intensivierungsstunde formulieren.

Diese basieren auf folgenden Grundüberlegungen:
- Individuelle Förderung ist in einer Gruppe mit ca. 15 SchülerInnen (enspricht in etwa einer geteilten Klasse) genauso wenig möglich wie im normalgroßen Klassenverband.
- Der Versuch, die Klasse in homogene Lerngruppen aufzuteilen, ermöglicht nicht, sondern erschwert im Gegenteil individuelle Förderung.
- SchülerInnen lernen und vertiefen Gelerntes am effektivsten, wenn sie selbstständig Lösungen für Problemstellungen erarbeiten.


1. Aufteilung der Klasse für die Intensivierungsstunde

Hier sei zunächst die Frage erlaubt, ob die Klasse während der Intensivierungsstunde überhaupt aufgeteilt werden muss. Uns erscheint es sinnvoller, die Klasse im Klassenverband zu belassen und stattdessen zwei LehrerInnen im Klassenzimmer einzusetzen.
Statt die Klasse in zwei immer noch zu große Gruppen aufzuteilen, sollten Intensivierungsstunden dann in Einzel- oder Kleingruppenarbeit stattfinden (siehe auch -> Lernen in der Intensivierungsstunde).

Diese Überlegung geschieht aus folgendem Grund: Wir glauben, dass sich LehrerInnen anders auf die Intensivierungsstunden vorbereiten, wenn sie sich mit einer anderen Lehrkraft dabei absprechen müssen. LehrerInnen müssen sich dadurch sehr viel stärker mit dem/der einzelne(n) SchülerIn auseinandersetzen und gemeinsam überlegen, wie sie ihn bzw. sie gezielt unterstützen.

Denkbar ist sogar, für die Zeit der Intensivierungsstunden Klassengrenzen aufzubrechen und SchülerInnen zu ermöglichen, mit MitschülerInnen aus der Parallelklasse zu lernen bzw. Gelerntes zu vertiefen. Für die Unterstützung der SchülerInnen stünden dann zwei LehrerInnen pro ursprünglicher Klasse zur Verfügung.

Falsch wäre auf jeden Fall, die Klasse in homogene Lerngruppen aufzuteilen. Dies ermöglicht nicht, sondern erschwert im Gegenteil individuelle Förderung. Schwächere SchülerInnen müssen auch und gerade in Intensivierungsstunden die Möglichkeit haben, von leistungsstärkeren SchülerInnen profitieren zu können. Im Gegenzug profitieren auch Leistungsstärkere, wenn sie leistungsschwächeren MitschülerInnen beim Lernen helfen.


2. Lernen in der Intensivierungsstunde

Schon oben wurde davon gesprochen, dass effektives Lernen bzw. Vertiefen schon gelernten Stoffes nur dann möglich ist, wenn SchülerInnen selbstständig Lösungen für Problemstellungen erarbeiten. Frontale Vorträge haben in Intensivierungsstunden keinen Platz! Stattdessen sollten LehrerInnen den SchülerInnen individuell bei Fragen zur Seite stehen und bei Problemen helfen.

SchülerInnen wissen selbst am besten, in welchen Fachgebieten sie noch Nachholbedarf haben, deswegen sollten sie sich (natürlich mit Unterstützung durch ihre Lehrkräfte) ihre Arbeitsschwerpunkte in der Intensivierungsstunde auch selbst suchen. Manchmal muss der gerade gelernte Stoff nochmals geübt und manchmal schon länger Zurückliegendes wiederholt werden. Und wenn SchülerInnen keinen Nachholbedarf haben, was spricht dann dagegen, in der Intensivierungsstunde ein Buch zu lesen? LehrerInnen sind auch hier wichtige BegleiterInnen des Lernprozesses, nämlich indem sie SchülerInnen individuell Feedback über Stärken und Schwächen geben und vor allem auch Anregungen und Hilfestellungen geben, wie Schwächen beseitigt werden können.

Wenn SchülerInnen die gleichen Problemstellungen bearbeiten wollen, bietet sich natürlich die Arbeit in Kleingruppen mit bis zu drei SchülerInnen an. Auf diese Weise können leistungsschwächere SchülerInnen direkt von leistungsstärkeren SchülerInnen lernen (und Leistungsstärkere wiederum durch Lehren lernen).


3. Welche LehrerInnen sollen in der Intensivierungsstunde unterrichten?

Soll nun der Klassenleiter / die Klassenleiterin oder die FachlehrerInnen im Wechsel oder die LehrerInnen, die gerade Zeit haben, in den Intensivierungsstunden eingesetzt werden?

In der Idee, für die Zeit der Intensivierungsstunden klassenübergreifend zu lernen, liegt bei Beantwortung dieser Frage besonderer Charme. Wenn man für die Zeit der Intensivierungsstunden die SchülerInnen zweier Klassen zusammenfasst, wäre es möglich, bei vier Lehrkräften, die in der Regel ja auch mehr als ein Fach lehren, mindestens eine(n) VertreterIn für jedes Hauptfach (Deutsch, Englisch/Latein, Mathematik) zu haben. Damit wiederum könnten SchülerInnen individuell entscheiden, wo sie am meisten Nachholbedarf haben und womit sie sich in der Zeit der Intensivierungsstunden beschäftigen wollen, denn die Lehrkräfte, welche sie dabei unterstützen, sind da.



Intensivierungsstunden auf eine solche Weise sind natürlich nicht das Allheilmittel, um alle Probleme zu beseitigen und können und wollen dies auch gar nicht sein. Doch sie können ein Schritt weg vom Stoff-Einpauken-für-die-nächste-Schulaufgabe sein. Fatal wäre es, wenn Intensivierungsstunden zur Stoffvermittlung hergenommen werden würden - zu der Vermittlung von Wissen übrigens, welches in den meisten Fällen spätestens nach der nächsten Schulaufgabe schon wieder vergessen ist. Wir wollen und können nur alle LehrerInnen und DirektorInnen bitten, sich weiter über die Gestaltung der Intensivierungsstunden intensive Gedanken zu machen und hoffen, mit unseren Überlegungen dazu behilflich zu sein.