Jugendliche qualifizieren - Effekte multiplizieren: 1.Moderationsausbildung
29.06.2005:
|
Kinderhilfswerk RGBG |
Die Landesschülervertretung Bayern ließ Schülersprecherinnen und Schülersprecher zu ModeratorInnen ausbilden, um der Schülervertretungsarbeit in Bayern mit Methoden neuen Schwung zu verleiten und zu professionalisieren.
Wenn ihr selbst Interesse habt, zum Moderator bzw. zur Moderatorin ausgebildet zu werden; wenn ihr Hilfe braucht, um ein Seminar vorzubereiten, eine Sitzung zu leiten oder an eurer Schule eine zielgerichtete Diskussion anzustoßen, könnt ihr euch einfach an uns wenden: servus@lsv-by.de. Im folgenden Bericht könnt ihr lesen, was wir während der Moderationsausbildung gelernt haben!
Das Seminar wurde gefördert durch die Doris-Wuppermann-Stiftung und das Deutsche Kinderhilfswerk.
Deutsches Kinderhilfswerk
Doris-Wuppermann-Stiftung
TeilnehmerInnenzusammensetzung
18 Schülerinnen und Schüler
- darunter SchülersprecherInnen, BezirksschülersprecherInnen und aktive SchülerInnen in regionalen SchülerInneninitiativen
- regionale Verteilung bayernweit
- Alter ca. 15-19 Jahre
- davon 10 weibliche und 8 männliche TeilnehmerInnen
Inhaltliche Leitung des Seminars: Anna Weber und Manuel Schneider
Die Teilnehmer verfügten zum Teil bereits über wertvolle eigene Erfahrungen im Bereich der Moderation, reflektiert und unreflektiert, oder über anderweitige zum Teil sehr hohe Qualifikationen und Erfahrungen, die in dem Seminar Anwendung finden konnten. Da die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter dem "Dach" der LandesschülerInnenvertretung sich auch nach dem Seminar weiter treffen und zusammenarbeiten, war ein Ziel, einen gegenseitigen wertschätzenden und fruchtbaren Austausch zu installieren, der über das Seminar hinaus die Grundlage für eine gegenseitige Reflektion und Qualifizierung ermöglicht.
Herausforderung war, auch die Teilnehmer ohne vorhergehenden Erfahrungen angemessen einzubinden und zu fördern und je nach Wunsch und eigenes Zutrauen auch aktiv in die Prozesse einzubinden.
Inhalte
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlernten die praktischen und theoretischen Grundlagen der Moderation als Chance zur demokratischen Gesprächsführung in einer Gruppe.
Sie reflektierten die Chancen und Grenzen von Moderation im Hinblick auf die praktische Gestaltung des SchülerInnenongresses basis05 und andere Aspekte des eigenen Engagements, z.B. ihre Arbeit in lokalen und regionalen Gremien der Schülermitverantwortung.
Zu den konkreten Bestandteilen der Moderationsausbildung gehörte das Erlernen des Moderationszyklusses, den Umgang mit Moderationsmaterialien, u.a. zur Visualisierung und Präsentation, sowie die praktische Anwendung von Methoden, z.B. zur Problembearbeitung in Gruppen, Kreativtechniken oder Großgruppenmethoden. Dabei wurden verschiedene Methoden und deren Ziele vorgestellt, auf deren Anwendungsmöglichkeiten überprüft und zum Teil praktisch eingeübt. Eine praktische Anwendung auf dem Seminar fanden z.B. die Methoden Brainstorm, Fishbowl-Diskussion, Kartenabfrage oder das Entwickeln eines Maßnahmenplans.
Ziel der Methodenvorstellung war, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine zur Vorbereitung einer Moderation notwendige Herangehensweise zu vermitteln. Dadurch wurden die Teilnehmer befähigt, die vorgestellten Methoden zielgerichtet einzusetzen und darüber hinaus auch eigene Methoden, der jeweiligen Situation angemessen, selber zu entwickeln.
Die Rolle einer moderierenden Person wurde unter den Gesichtspunkten von "inhaltlich selber involviert" bis "neutrale, außenstehend" und den möglichen Konsequenzen für die Gruppe, den Arbeitsprozess und die Inhalte kritisch analysiert.
Bereits auf dem Seminar hatten sechs Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Chance, selber eine Moderation mit der Gruppe vorzubereiten und durchzuführen, die anschließend von der gesamten Gruppe gemeinsam ausgewertet wurde.
Weiter planten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Kleingruppen praktische, reale, auf sie zukommende Moderationen und reflektierten diese gegenseitig. Dabei entwickelten sie unterschiedliche methodische Konzepte, führten eine Zielgruppenanalyse durch und bereiteten die organisatorische, logistische Planung der Moderation vor.
Auswertung des Seminars
Das Seminar wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch einen Fragebogen, sowie ein Gruppengespräch mit den Trainern ausgewertet. Eindeutiges Ergebnis war, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer Moderation als Chance zur demokratischen Gesprächsführung sehen, aber auch deren Grenzen erkennen und vielfältige Anwendungsmöglichkeiten des Gelernten in ihrem Engagement, in der Schule oder in der Unterstützung von anderen Jugendgruppen erkannt haben. Fast ausnahmslos alle Teilnehmer fühlten sich nach dem Seminar befähigt, selber eine Moderation alleine oder zu zweit komplett durchzuführen.
Ausschlaggebend für einen Teil der Gruppe war, dem Moderator aber nicht nur eine moderierenden Verantwortung zu geben, sondern sie schrieben ihm auch eine aktive unterhaltende und für Entertainment sorgende Rolle zu. Erkannt wurde, dass der Moderator durch sein Agieren die Atmosphäre der Gruppe mit beeinflussen kann, dabei aber die Gruppe und der Charakter der moderierenden Person zu berücksichtigen sind.
Kritisiert wurde, dass die Seminarinhalte nicht in Form von schriftlichen Handouts zur Verfügung standen, sondern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich ihre eigenen Notizen machen mussten.
Der mit drei bis ca. sechs Jahre noch geringe Alters- und Erfahrungsunterschied der Seminarteilnehmern zu den Seminartrainern wirkten sich insofern positiv aus, als dass eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe stattfinden konnte, die von gegenseitigem Respekt, aber auch durch kritisches Hinterfragen geprägt wurde.
Geschätzt wurde der an den Bedürfnissen und Wünschen der Teilnehmer ausgerichtete Seminarinhalt und Ablauf.
Ausblick
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer können in ihrer zukünftigen praktischen Arbeit das Gelernte anwenden. Z.B. bei der Gestaltung der Bezirksforen und Diskussionsforen auf dem Schülerinnenkongress basis05, in Mitgliederversammlungen der LandesschülerInnenvertretung oder in regionalen und lokalen SchülerInneninitiativen. Hierzu wurde auch ein Materialpool angelegt, der für die ausgebildeten Moderatorinnen und Moderatoren zugänglich ist.
Sinnvoll scheint, in naher Zukunft ein weiteres Seminar zu machen, auf dem die bis dahin gesammelten praktischen Erfahrungen reflektiert werden, sowie weitere Methoden zu erlernen.
Für den Aufbau eines Moderatorinnenpools, der bayernweit und darüber hinaus auch andern Jugendgruppen zur Verfügung steht, wurden mit dem Seminar wichtige erste Schritte gegangen. Ergänzend dazu empfiehlt sich:
- Durchführen von Co-Moderationen mit erfahrereren Moderatoren, z.B. mit den Trainern des Seminars
- Entwickeln von Qualitätsstandards für eine Moderation
- Öffentlichkeitsarbeit
Anna Weber

