Pressemitteilung - IGLU
09.04.2003: IGLU- und PISA-Ergebnisse in Zusammenhang beweisen: Eine Verlängerung der Grundschulzeit ist nötig
Die Landesschülervertretung (LSV) Bayern ist erfreut über das gute Abschneiden der Grundschüler in der IGLU-Studie. Die gestern veröffentlichten Ergebnisse der Grundschulstudie bescheinigen den Viertklässlern eine sehr gute Lesekompetenz. Nun müssen - mit Blick auf die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie - auch die Konsequenzen gezogen werden.
"Die IGLU-Studie zeigt für uns, dass sich das Lernen in heterogenen Gruppen bewährt hat und es sehr gut möglich ist, Schüler mit unterschiedlichen Voraussetzungen innerhalb einer Klasse angemessen zu fördern.", so Sonya Popa-Henning, Vorstandsmitglied der LSV Bayern. Aus der PISA-Studie, an der 15-jährige teilnahmen, geht hervor, dass die Leistungen der einzelnen Schularten sehr weit auseinandergehen, obwohl im Grundschulalter scheinbar nur ein geringer Leistungsunterschied vorliegt. An dieser Stelle muss man sich fragen, was nach der Selektion in der vierten Klasse schief läuft. "Eine umfassende Förderung nach der Trennung in der vierten Klasse sei umso schwerer, wenn das interaktive Lernen von Schülern mit unterschiedlichem Leistungsniveau wegfällt", so Popa-Henning weiter. "Die Landesschülervertretung spricht sich für eine Verlängerung der Grundschulzeit auf 9 Jahre aus."
Weil die weitere Laufbahn bereits in der vierten Klasse festgelegt werden muss, sehen sich viele Eltern und Lehrkräfte verpflichtet, die wichtige Entscheidung des Bildungsweges und damit auch des Lebensweges für die Schüler zu treffen. Dabei gäbe eine verlängerte Grundschulzeit den Schülern - im Sinne der Eigenverantwortung - mehr Zeit zur Orientierung und den Lehrkräften mehr Zeit zur Beobachtung der Entwicklung der Schüler.
Nicht zu vergessen sei gerade an bayerischen Schulen auch das Problem der Chancenverteilung. "Der soziale Hintergrund spielt einfach eine viel zu große Rolle bei der Wahl und Entwicklung des Bildungsweges.", so Popa-Henning weiter. "Die Forderung nach einer neunjährigen Grundschulzeit hat nichts mit Ideologie zu tun, sondern ist - wie auch aus der Bildungsentwicklung Finnlands hervorgeht - ein notwendiger Schritt, um gegen das Problem der Chancenungleichheit vorzugehen."

