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Gespräch mit Sebastian Nähr

28.03.2008: Bezirksschülersprecher für die Gymnasien Mittelfrankens

Mittwoch, 16. Januar 2008


Der Bezirksschülersprecher Sebastian Nähr ist Schülersprecher des Sigmund-Schuckert Gymnasiums Nürnberg. Im November vergangenen Jahres nahm er an der
Bezirksaussprachetagung teil und wurde dort von den 1.
SchülersprecherInnen der mittelfränkischen Gymnasien zu deren
Bezirksschülersprecher gewählt. Im Moment ist er, zusammen mit den zwei bestehenden Nürnberger Stadtschülervertretungen, der Stadt Schüler Mitverantwortung (Stadt-SMV) und der Gemeinsamen Initiative von und für SchülerInnen und StudentInnen in Nürnberg (GSN) dabei eine neue
Stadt-Schülervertretung in Nürnberg aufzubauen. Des Weiteren
veranstaltet er, zusammen mit seiner Mitbezirkssprecherin Christina Baer für die SchülersprecherInnen Mittelfrankens Seminarwochenenden.
 


Wir haben mit Sebastian Nähr, 17 Jahre, Schüler,
Bezirksschülersprecher für die Gymnasien gesprochen.

LSV Bayern: Seit wann bist du Bezirksschülersprecher? Und wie ist es dazu gekommen?

Sebastian Nähr: Ich bin seit der Bat(=Bezirksaussprachetagung) vom 6.-7. November Bezirksschülersprecher. Wie bin ich dazu gekommen? Hmh… Ich hatte mir lange überlegt, ob ich mich für das Amt des Bezirksschülersprechers aufstellen lassen soll und habe mich deshalb mit der letztjährigen Bezirksschülersprecherin, Cathleen Menzel, über die Aufgaben und
den anfallenden Zeitaufwand als Bezirksschülersprecher unterhalten. Letztendlich habe ich mich dann dafür entschieden, weil mir die Schülervertretung in meinem Bezirk sehr am Herzen liegt. Doch den letzten "Schubs", der mich dann dazu bewogen hat, mich aufstellen zu lassen und dann ja auch gewählt zu werden, hat mir sicherlich die Bat selbst gegeben. Denn als ich gesehen habe, was für tolle Leute da in meinem Bezirk aktiv sind, war meine Motivation schier unendlich groß, dort etwas bewegen zu wollen.

LSV Bayern: Für was setzt du dich ein? Und wie?

Sebastian Nähr: In meiner Funktion als Schülersprecher setze ich mich natürlich hauptsächlich für die Anliegen und dann eben auch für die Rechte der SchülerInnen an meiner Schule ein. Des Weiteren versuche ich auch Projekte an meiner Schule zu starten, z.B. Feiern oder Arbeitskreise. Ähnlich verhält es sich bei den Dingen, für die ich mich als Bezirkssprecher engagiere. Auch hier steht zunächst die Vertretung der Schüler im Vordergrund, dass heißt ich repräsentiere bei verschiedensten Veranstaltungen Mittelfranken und setzte mich in diesem Zuge auch für die Rechte und Wünsche "meiner" Mittelfranken ein. Allerdings ist gerade auf Bezirksebene ein anderer Punkt noch sehr wichtig, nämlich der der Vernetzung der Schulen untereinander. Hierfür versuchen wir möglichst viele Treffen zu organisieren, denn dadurch kann man auch viel leichter Projekte über einen ganzen Bezirk hinweg veranstalten. Für die ganzen Sachen setze ich mich auf die Art und Weise ein, dass ich bei den richtige Leuten unsere Probleme und Wünsche ungeschminkt, aber trotzdem diplomatisch vorbringe und so, auch in Zusammenarbeit mit "meinen" Mittelfranken, wenn die Möglichkeit einer Absprache besteht, nach der bestmöglichen Lösung suche, auch wenn diese sicherlich nicht immer zu verwirklichen ist.

LSV Bayern: Wer unterstützt dich?

Sebastian Nähr: Ganz wichtig, wenn es um Unterstützung geht, ist meine Familie, die immer hinter mir steht und so für mich ein sehr wichtiges Rückrad bildet. Genau so unterstützen mich aber auch meine Freunde, meine Freundin, "meine" Mittelfranken und ganz viele tolle Leute aus der LSV. Wichtig zu erwähnen ist sicherlich unsere SMV- Koordinatorin Frau Rießbeck und zu guter Letzt, weil ich glaube, dass man da nicht von unterstützen reden kann, da wir ein Team sind, ist meine Stellvertreterin im Bezirk, Christina Baer. Hier denke ich, passt eher der Satz, ohne sie würde einiges nicht gehen, als die bloße Bezeichnung der Unterstützerin.

LSV Bayern: Was ist deine Motivation?

Sebastian Nähr: Ich denke um die Frage nach der Motivation zu beantworten muss man auch die Gründe betrachten, warum ich Bezirksschülersprecher werden wollte. Wie bereits oben gesagt, ein wichtiger Punkt war, dass ich als Bezirksschülersprecher schulpolitisch etwas verändern kann. Das ist eigentlich der Punkt, der mich Tag für Tag antreibt, die Aussicht das Schulleben in einer gewissen Art und Weise freundlicher zu gestalten und vielleicht den SchülerInnen es möglich zu machen, dass sie irgendwann endlich die Mitsprache in der Schulpolitik bekommen, die sie dringend benötigen. Denn in der Schulpolitik geht es um uns SchülerInnen, wir sind die, die ausgebildet werden sollen, wir sind die, um die sich eigentlich alles dreht, deswegen sollten wir auch ein Recht darauf haben unseren Lebensraum, nämlich die Schule, mitzugestalten.

LSV Bayern: Am 17. und 18. Januar 2008 fand die Landesschülerkonferenz in München statt. Dort wurdest du zum Landesschülersprecher für die Gymnasien in Bayern gewählt, du bist somit Mitglied des Landesschülerrates. Worin siehst du deine Rolle in diesem Gremium?

Sebastian Nähr: Zum Einen ganz klar darin, dass ich für die Gymnasiasten in Bayern spreche, sie vertrete und daran arbeite die Probleme, die wir an den Gymnasien als SchülerInnen sehen, aus der Welt zu schaffen. Ich denke aber auch, dass es in diesem Jahr gerade für mich als gymnasial Vertreter wichtig ist meinen Kollegen und Kolleginnen im LSR, die noch keine funktionierende Schülervertretungsstruktur in ihrer Schulart besitzen, dabei zu helfen eine solche zu entwickeln. Denn die Gymnasien besitzen schon sehr lange funktionierende Strukturen, und es wäre doch nur wünschenswert, wenn wir schulartübergreifend zusammenarbeiten, und jedeR von dem/der Anderen profitieren und lernen kann.

LSV Bayern: Wo siehst du die Chancen dieser anerkannten landesweiten Schülervertretung? Und wo die Schwächen bzw. Probleme?

Sebastian Nähr: Die landesweit anerkannte Schülervertretung ist ein Meilenstein in der bayerischen Bildungspolitik, endlich haben SchülerInnen die Chance in einer vom Kultusministerium anerkannten Institution ihre Positionen zu formulieren. Und genau darin liegt ihr größter Vorteil, endlich haben wir eine solche, doch es gilt, dass wir dieses Jahr den Grundstein für eine in Zukunft sehr gute Schülervertretung in Bayern legen, wenn man so will, ist dieses Jahr das wichtigste der nächsten Jahrzehnte in der Schülervertretung. Aus dem einfachen Grund, da wir jetzt in Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium die Strukturen festlegen können, können wir unsere Forderungen in dieses große Projekt mit einfließen lassen. Das führt mich dann auch direkt zu den Schwächen, denn leider ist es so, dass wir nicht komplett bestimmen können, was der LSR in Zukunft für Aufgaben hat, denn wir besitzen keine Finanzautonomie und müssen auch sonst alle wichtigen zu entscheidenden Angelegenheiten mit dem Kultusministerium absprechen. Das kann, obwohl wir auf eine gute und produktive Zusammenarbeit mit dem Kultusministerium setzen, zu Problemen führen. Außerdem besitzen wir kein obligatorisches Anhörungsrecht im bayerischen Landtag, dass heißt, dass nicht zu allen bildungspolitischen Fragen die Meinung der SchülerInnen berücksichtigt werden muss. Und als letzter, großer Kritikpunkt sind die zu geringen Finanzmittel zu nennen. Wir bekommen dieses Jahr rund 130.000 Euro. Wenn man bedenkt, dass letztes Jahr allein die Gymnasien 50.000 Euro erhalten haben, und jetzt, obwohl alle Schularten, insgesamt also sechs, eine SV-Struktur finanzieren müssen, eben nur 130.000 Euro zur Verfügung stehen, dann ist das gerade einmal ein wenig mehr als das doppelte, obwohl sich die zu finanzierende Anzahl versechs-facht hat. Ganz abgesehen davon, dass mit diesem Geld keine Projekte bezahlt oder Verwaltungskosten abgedeckt werden können, da die 130.000 Euro zwar für alles angedacht sind, aber eben nicht einmal die Organisationskosten aller Schularten (z.B. Organisation von Baten) decken. Ich denke, wenn man das grob und sehr minimal hochrechnet, kämen wir auf einen Betrag von 450.000 Euro, der aber dann die aller niedrigste Grenze darstellt. Aber, wie bereits erwähnt, wir sind ja noch in dem Aufbau unserer Struktur und werden uns sicherlich auch mit dem Kultusministerium über unsere finanziellen Möglichkeiten unterhalten.

LSV Bayern: Was wünschst du dir für den LSR/die LSK ? Gibt es Fernziele?

Sebastian Nähr: Zunächst wünsche ich mir natürlich so viele Landesschülerkonferenzen wie nur irgend möglich, da man nur durch häufige Treffen letztendlich auch produktiv arbeiten kann. Weitere Ziele sind ganz klar eine Festlegung der "Struktur Landesschülerrat" um es den kommenden Generationen von LandesschülersprecherInnen so einfach wie möglich zu gestalten. Genau so muss man aber die Entwicklung von landesweiten Projekten und die Durchsetzung unserer bildungspolitischen Positionen im Auge behalten. Doch mein größter Wunsch ist wahrscheinlich der, dass wir die Anliegen der SchülerInnen immer und mit ganzem Herzblut, am Ende dann auch erfolgreich, vertreten. Dies muss jedoch einhergehen mit einer gut strukturierten Basisarbeit, dass heißt, dass wir es schaffen, jedem/jeder SchülerIn bewusst zu machen, dass er/sie vertreten wird, denn eine Vertretung macht schließlich nur dann Sinn, wenn die zu Vertretenden auch wissen, was für sie getan und geleistet wird.

LSV Bayern: Welche Defizite siehst du als Schüler in der politischen Bildung im Bereich der Schule?

Sebastian Nähr: Zuerst sehe ich einfach ein großes Informationsproblem, weil viele SchülerInnen durch die Schule viel zu wenig und nur oberflächlich politische Bildung erhalten. Einen weiteren negativen Punkt sehe ich darin, dass in der Schule nicht die einzelnen parteilichen Grundsätze behandelt werden, so dass viele SchülerInnen letztendlich nicht wirklich wissen, für was die Partei, die sie später wählen, einsteht. Als letzten Punkt sehe ich die Mitbestimmung der SchülerInnen in der Schule als viel zu gering und unbedeutend an, was sich dann auch negativ auf einen der wichtigsten bildungspolitischen Grundsätze auswirken kann, nämlich den des Demokratieverständnisses.

LSV Bayern: Seit Mitte Februar bist du jetzt auch Vorstandsmitglied der LSV. Hat sich dadurch für dich irgendetwas verändert?

Sebastian Nähr: Arbeitstechnisch eher weniger, aber es ist einfach ein saugeiles Gefühl Vorstand von diesem coolen Verein sein zu dürfen!

LSV Bayern: Politische Bildung bedeutet für mich ...

Sebastian Nähr: ...allen Menschen, egal welchen Geschlechts, welchen Alters, welcher Herkunft oder welcher Rasse, die Grundprinzipien einer Demokratie mit auf den Weg zu geben, sowie sie über deren Möglichkeit der Mitsprache, ob durch die Besprechung der Parteiprogramme im Unterricht, oder die Erklärung der Einflussnahme durch Wahlen, aufzuklären und ihnen auch die politischen Strukturen Deutschlands zu erläutern.

Sebastian, wir danken für das Gespräch.

Das Interview führte Ann-Sophie Winter.

Ann-Sophie Winter
Ortsstr. 20
89284 Pfaffenhofen a.d. Roth
0174 700 42 85


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