Main-Echo: Schwitzen - mit kühlem Kopf
Aschaffenburg. 280 Schülerinnen und Schüler schwitzen derzeit an den vier Gymnasien in Aschaffenburg über dem schriftlichen Abitur. Dabei braucht es für die Reifeprüfungen eigentlich einen "kühlen Kopf", sagt Carsten Reichert, der Vorsitzende der Aschaffenburger Schülervertretung. Er muss es wissen, er ist in diesem Jahr selbst mit von der Partie.
Außerdem bezieht er sich damit auf eine Aussage der bayerischen Kultusministerin Monika Hohlmeier: Prüfungsdruck in letzter Minute wirke eher nachteilig auf die Schülerinnen und Schüler.
Immerhin habe das schriftliche Abitur am Montag in den Grundkursfächern gezeigt: "Die Aufgaben sind lösbar." Das sagen übereinstimmend die Leiter des Dessauer-Gymnasiums, Georg Behütuns, und des Kronberg-Gymnasiums, Dr. Klaus Junk - nach Rücksprache mit den Kollegstufenbetreuern und Fachlehrern. Die Schüler sähen das ähnlich.
Nach PISA schwerer?
Die Schülervertretung äußert sich dagegen vorsichtiger: Im letzten Jahr sei das Niveau des Abiturs erkennbar angezogen worden - als Reaktion auf das schlechte Abschneiden Deutschlands in der PISA-Studie. Lehrkräfte hätten bestätigt: Was heute in der Kollegstufe an bayerischen Gymnasien geleistet werden müsse, sei vor 20 Jahren noch Inhalt der Erstsemester an den Unis gewesen. Nach Ansicht der Schülervertretung ist das die falsche Reaktion auf PISA: "Wie so oft wird auch in der Bildungspolitik nur an den Symptomen und nicht an den Ursachen gearbeitet."
Die Schulleiter teilen diese Sicht nicht. Behütuns: "Bei der Beurteilung des Niveaus gibt oft das subjektive Gefühl von Schülern und Lehrern den Ausschlag." Das Abitur werde in einem Jahr als schwerer, im nächsten als leichter empfunden.
Junk stimmt dem zu, nimmt das Fach Mathematik aber aus. "Da gibt es heute weniger schematische Aufgaben als früher. Es wird viel mehr eigene kreative Leistung der Schüler verlangt - und Stoff, der zum Teil weit zurückliegt." Diese Entwicklung sei aber schon vor PISA eingeleitet worden aufgrund früherer Studien, die rund um den Globus die Mathe-Leistungen abgeprüft hatten und Deutschland im Hintertreffen sahen.
Längst nicht gelaufen
Auf die schriftliche Grundkurs-Prüfung in Deutsch oder Englisch jedenfalls treffe die Äußerung der Schülervertretung nicht zu, so Junk, und Behütuns bestätigte das auch für die schriftliche Leistungskurs-Prüfung am gestrigen Dienstag. Da habe es nur im Fach Wirtschaft eine Aufgabe gegeben, "die nicht so ideal ist".
Das Abitur ist für die 280 Schülerinnen und Schüler in Aschaffenburg, sieben mehr als vor einem Jahr, aber längst nicht gelaufen. Die schriftlichen Prüfungen in den Leistungskursen ziehen sich bis zum 16. Mai hin, traditionsgemäß kommt Latein als letztes Fach an die Reihe.
Vom 19. bis 23. Mai geht es dann mit dem Kolloquium weiter, das in einem Grundkursfach absolviert werden muss. Eine halbe Stunde Vorbereitungszeit bekommen die Schüler für ein Thema, über das sie anschließend zehn Minuten lang referieren müssen und fünf Minuten lang befragt werden. Eine Viertelstunde lang wird dann weiterer Unterrichtsstoff dieses Faches aus den beiden zurückliegenden Kollegstufenjahren abgefragt.
Am 3. Juni wird den Schülern die Abiturnote mitgeteilt. Wer da auf der Kippe steht oder meint, mit ein paar Punkten im einen oder anderen Fach den Schnitt noch verbessern zu können, muss oder kann sich den mündlichen Prüfungen unterziehen, die bis 6. Juni angeboten werden.
Wie die Abiturnote zusammenkommt, das ist ein Kapitel für sich. Da zählen keineswegs nur die Punkte, die in den schriftlichen Prüfungen oder im Kolloquium erreicht werden, wenngleich sie deutlich höher gewertet werden. Vielmehr fließen auch Punkte in die Note ein, die in den zurückliegenden beiden Jahren, den vier Semestern der Kollegstufe gesammelt wurden. Ebenfalls fürs Abitur gewertet wird die Facharbeit, die in einem Leistungskurs erstellt werden musste.
Rückgriff auf elfte Klasse
Seit wenigen Jahren neu: Im Abiturzeugnis werden auch die Zeugnisnoten der elften Klasse ausgewiesen. Auf diese Weise will das Kultusministerium verhindern, dass die Schüler die Fächer, die sie in der Kollegstufe abwählen, in der elften Jahrgangsstufe mit Minimalaufwand "ausklingen" lassen.
Der Termin für die Verleihung der Abiturzeugnisse ist ebenfalls bayernweit einheitlich geregelt. In diesem Jahr ist es Freitag, 27. Juni. Dann endlich dürfen die Schülerinnen und Schüler aufatmen.
Peter Freudenberger

