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05.05.2003: Schüler entwerfen ihr Traumschule
Es ist zwölf Uhr, Anfang Mai. Die Sonne scheint, die Temperatur nähert sich immer mehr der 30 Grad Marke. Und doch: Die knapp 30 Schülerinnen und Schüler, die am Wochenende in den Räumen des Café Cairo in Würzburg beisammen saßen, Texte ausformulierten und hitzige Diskussionen führten, taten dies nicht etwa, weil sie Unterricht hatten (am Wochenende?).
Nein, sie waren freiwillig dort. "Basis Nachbeben" hieß das Treffen, und war ein Nachbereitungsseminar zu "Basis'o3", Deutschlands größtem Schülerkongress, der vor einigen Wochen von der LSV Bayern in Regensburg veranstaltet wurde (daily X berichtete).
"Um an den Ergebnissen von basis'o3 weiterzuarbeiten, gibt es in jedem (Bundesland) Bezirk ein solches Nachbeben-Seminar. In Unterfranken organisiert dies CuSch, der Club unterfränkischer SchülerInnen Initiativen", erklärte Michael Weis (17), CuSch-Sprecher vom Friedrich-List-Gymnasium. Ziel sei es, in jedem Bezirk einen anderen Schwerpunkt aufzuarbeiten. Die unterfränkischen Schüler hatten das Thema "Traumschule" für das Nachbeben-Seminar gewählt. "Uns war dabei wichtig, bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Bewusstsein zu schaffen, Kritikpunkte an unserem Schulsystem wahrnehmen zu können (???)", betonte Caro Wagner (18) von der (Klein-Ostheimer) Aschaffenburger Maria-Wart-Schule, ebenfalls Sprecherin von CuSch. "Wir wollten an diesem Wochenende kein komplett neues Schulsystem entwickeln, aber Denkanstöße liefern." Und Michael Weis fügte hinzu: "Es war für uns sehr interessant, unser Schulsystem mal von Grund auf in Frage zu stellen und zu untersuchen."
Den erforderlichen Blick über den Tellerrand, den die Teilnehmerinnen und Teilnehmer benötigten, um sich ihre eigene Traumschule vorstellen zu können, bekamen sie bei Referaten über Schulen außerhalb Bayerns, im nationalen und internationalen Ausland. In den Arbeitskreisen mit den Schwerpunkten "alternative Leistungsbewertung", "Demokratie" und "Rolle des Lehrers" ging's dann richtig zur Sache. "Die Noten müssen abgeschafft werden", forderte Stefanie Unsleber (15) vom Olympia-Morata-Gymnasium in Schweinfurt. Der Arbeitskreis war sich einig: "Bei den PISA-Siegern gibt es auch keine Noten. Schließlich lernt man fürs Leben, nicht für die nächste Prüfung!"
Die 16-jährige Lara Berger vom Alzenauer Spessart-Gymnasium hat sich zusammen mit den anderen Leuten aus ihrem AK Gedanken über das Verhältnis von LehrerInnen und SchülerInnen gemacht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass Lehrkräfte nur noch die Funktion eines Moderators einnehmen und die SchülerInnen sich viel mehr selbstständig erarbeiten sollten. Aktive Beteiligung von SchülerInnen setzte auch der AK Demokratie voraus. Der möchte, dass Schulforum und Klassensprecher mehr zu sagen haben. "Denkbar wäre sogar, dass die Schüler ihren Direktor selber wählen", schwärmte Franz Lichter (16) vom Johann-Schöner-Gymnasium aus Karlstadt.
"Die Ideen aus den AKs werden wir sammeln", erklärte Caro Wagner. "Wenn wir alle Aspekte durchdacht und ein komplettes Konzept unserer Traumschule entwickelt haben, werden wir eine Broschüre veröffentlichen." Damit das Nachbeben nicht nur aus Visionen, sondern auch aus pragmatischer Arbeit besteht, gab es am Sonntag eine Projektbörse, auf der die SMVen Projekte vorstellen, sich austauschen und Anregungen für die eigene Schule mitnehmen konnten.
Von daily-X-Autor Michael Metzger

