Verbände streiten über PISA-Ländervergleich
22.06.2002: Süddeutsche Zeitung vom 19.06.02
Verbände streiten über Pisa-Ländervergleich
München – Der Bayerische Philologenverband (BPV) hat bereits vor der Veröffentlichung die Ergebnisse des innerdeutschen Ländervergleiches bei der Leistungsstudie PISA (Pisa-E) begrüßt. Die bisher bekannten Daten seien eine Bestätigung für die Linie der bayerischen Schulpolitik, die auf klare Leistungsstandards in einem differenzierten und begabungsgerechten Schulsystem setze. Pisa-E habe gezeigt, so der BPV- Vorsitzende Max Schmidt, dass Bayern international mit dem oberen Drittel der Vergleichsländer mithalten könne. Als Gründe für das Ergebnis nannte Schmidt unter anderem die zentralen Abschlussprüfungen und ein hohes Unterrichtsvolumen. Zugleich warnte der BPV davor, „sich auf den Lorbeeren auszuruhen“ und nun alle Anstrengungen in der Bildungspolitik ruhen zu lassen. Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein äußerte sich zufrieden mit „dem offenbar guten Abschneiden aller bayerischen Schulzweige“ bei Pisa-E. Der Ländervergleich belege aber auch, dass mehr Bemühungen bei der schulischen Integration von Ausländern nötig seien.
Zur Zurückhaltung in der Diskussion um die Pisa-Ergebnisse mahnte hingegen die LandesSchülerVertretung Bayern (LSV). LSV-Vorstand Benedikt Glatzl sagte, kein Schulsystem sei perfekt, vielmehr gebe es Stärken und Schwächen einzelner Bundesländer, die es Gewinn bringend zu analysieren gelte. Glatzl nannte es „selbstherrlich“ und „nicht fair“, die Länder zu bewerten, ohne die genauen Zahlen zu kennen. Eine solche Vorgehensweise, urteilte der LSV-Vorstand, entlarve vielmehr die wahre Absicht der Politiker, denen es offenbar nur darum ginge, Pisa-E zu politischen Zwecken auszuschlachten. Glatzl warnte zudem vor einer Polarisierung der Schülerschaften einzelner Länder im Zuge des Leistungsvergleiches. Eine solche Form der politischen Instrumentalisierung sei „eine Schande“.

