Pressemitteilung der LSV
05.01.2004: Reaktion der Landesschülervertretung auf die Äusserungen des CSU-Generalsekretärs Markus Söder in "Bild am Sonntag"
"Die Forderung nach Verankerung ‚von Werten wie Höflichkeit, Respekt, Moral und Rücksicht‘ in den Lehrplänen dreht einer Schülerin das Pausenbrot im Magen um."
Sonya Popa-Henning, Vorstand der Landesschülervertretung Bayern (LSV) kommentiert die Äußerungen des Generalsekretärs der CSU, Markus Söder, in der "Bild am Sonntag":
"Von der CSU ist man als bayerische Jugendliche ja viel gewohnt, doch immer wieder muss man sich aufs Neue überraschen lassen. Die populistische Sprücheklopferei des Generalsekretärs bezüglich dem Ausgehverbot für Kinder unter 14 Jahren wagt die LSV gar nicht zu kommentieren, doch bei den neuerlichen bildungspolitischen Vorstößen ist eine Reaktion wohl notwendig:
Die Forderung nach Verankerung ‚von Werten wie Höflichkeit, Respekt, Moral und Rücksicht‘ in den Lehrplänen dreht einer Schülerin das Pausenbrot im Magen um. Als Schülerin (oder auch Schüler) an einer bayerischen Schule habe ich in erster Linie zu gehorchen und das steht im krassen Gegensatz zur Vermittlung obengenannter Werte. Man kann Respekt nicht aufoktroyieren, man kann Respekt nur vermitteln, indem man ihn vorlebt. Und davon ist die bayerische Schule noch weit entfernt: Egal ob es um die Zensur von Schülerzeitungen geht, die Mitverantwortung von schulpolitischen Entscheidungen im Rahmen der Schülervertretung oder den (Frontal-)Unterricht: Immer sind Schüler mit der Lehrkraft als Autorität konfrontiert, nie stehen Schüler auf einer Stufe mit ihren Lehrkräften. Statt Respekt lernt man als bayerischer Schüler nur, Angst vor der Lehrkraft zu haben und Angst fördert nicht unbedingt die Achtung vor dem Mitmenschen. Will die CSU wirklich eine Schule, in der oben genannte Werte vermittelt werden, dann sollte man endlich anfangen, Schüler nicht mehr als Objekt sondern als Subjekt zu betrachten. Ein demokratischer Unterricht, den Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Lehrkraft gestalten, wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung.
Dass die momentanen bildungspolitischen Entscheidungen der Staatsregierung, zum Beispiel die Einführung des achtjährigen Gymnasiums, dazu der falsche Weg sind, steht wohl außer Frage.
Davon abgesehen halte ich es für eine Anmaßung, ‚Werte erster Ordnung‘ festzusetzen. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was ihm wichtig ist und sollte dies nicht nach dem Generalsekretär einer Partei richten. Denn schon das Vorschreiben von Werten steht im Gegensatz zu ‚Höflichkeit, Respekt, Moral und Rücksicht‘!"
Liebe Grüße, schöne Endferientage,
eure LSV!

