Pressemitteilung der LSV
15.01.2004: Massive Protestwelle in ganz Bayern
Wie angekündigt finden in ganz Bayern Protestaktionen von Schülerinnen und Schülern statt. In zahlreichen bayerischen Städten haben in den Tagen vor und nach den Winterferien Demonstrationen von SchülerInnen gegen die Bildungskürzungen und die Einführung der angekündigten Verkürzung der Schulzeit stattgefunden: Kronach, Coburg, Eggenfelden, Würzburg, München, Bamberg, Straubing, Bayreuth, Lindau, Kempten, Donauwörth, Erding, Rosenheim, Nürnberg, Weilheim.
An fast jedem vierten Gymnasium machten Schülerinnen und Schüler durch Protestaktionen auf die verfehlte bayerische Bildungspolitik aufmerksam.
Für die kommenden Wochen sind weitere Demonstrationen in München, Augsburg, Aschaffenburg und Schrobenhausen sowie Protest- Informations- und Diskussionsveranstaltungen mit den politischen EntscheidungsträgerInnen an etlichen Schulen angekündigt. Täglich kündigen mehr SchülerInnenvertretungen von einzelnen Schulen Aktionen an. Die LSV unterstützt die Proteste, ruft die Schülerinnen und Schüler auf, sich weiterhin gegen die überstürzten und kopflosen Pläne zu wehren und bietet ihnen bereits seit Anfang Dezember die inzwischen sehr etablierte Informationsplattform www.bildungskuerzung.de an. Hier finden sich auch stets die neusten Informationen zu Protesten (Rubrik Protestkalender).
"Die bayerische Staatsregierung glaubt, durch Schönrednerei beschwichtigen zu können. Wir lassen uns jedoch nicht von leeren Worthülsen in die Irre führen", sagt Sonya Popa-Henning, Vorstand der LSV. So sei eine Einführung von "Büchergeld" immer noch eine teilweise Abschaffung der Lernmittelfreiheit. "Der sowieso schon schwierige Zugang zu Bildung für Kinder aus sozial schwachen Familien wird so nochmals erschwert. Das bayerische Schulsystem bietet schon genug Auslesemechanismen, und genau die sollte man eher beseitigen als verschärfen. Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen, sondern ist Grundrecht!", so Sonya Popa-Henning weiter.
Auch die Einführung des G 8 wird kleingeredet: Der Lehrplan werde "hinsichtlich inhaltlicher Details gekürzt", heißt es nun aus dem Kultusministerium. Was die Landesschülervertretung fordert, ist jedoch eine wirklich enorme Stoffkürzung und eine neue Schulkultur: Nicht Stoff, Stundenplan, Pauken und die wirtschaftliche Verwertbarkeit sollen im Vordergrund stehen, sondern die Schülerin und ihre individuellen Interessen und Fähigkeiten.
Die momentanen Pläne der Staatsregierung können nicht über die Missstände, die mit der Einführung des G 8 nochmals erheblich verschlimmert werden, hinwegtäuschen: Individuelle Förderung gibt es schon jetzt nicht und wird dann noch viel weniger als jetzt möglich sein - die vielgepriesenen Intensivierungsstunden dienen an G8-Modellschulen schon ab der 5. Klasse der regulären Stoffvermittlung.
Auch die Vorgehensweise der Staatsregierung und des Kultusministeriums kritisiert die LSV. Aus heiterem Himmel werden Fakten geschaffen und nach wenigen Wochen erklärt Frau Hohlmeier eine Diskussion für beendet, die nie mit den Betroffenen geführt wurde. Übrigens auch nicht mit den gewählten VolksvertreterInnen im Bayerischen Landtag, die die bereits verkündeten "Entscheidungen" erst treffen müssen. Die Landesschülervertretung verurteilt dieses undemokratische Vorgehen und fordert als Interessenvertretung der bayerischen Gymnasiastinnen und Gymnasiasten, in weitere Planungen mit einbezogen zu werden.

