Pressemitteilung der LSV
17.02.2004: "Bayerns Schülerinnen und Schüler lassen sich nicht instrumentalisieren"
"Bayerns Schülerinnen und Schüler lassen sich nicht instrumentalisieren"
Die Landesschülervertretung Bayern äußert sich anlässlich des Aufrufs zur Arbeitsniederlegung der Gewerkschaft Erziehung & Wissenschaft zu Behauptungen Monika Hohlmeiers und kündigt Beteiligung an den Protesten an
Aufgrund der Arbeitszeiterhöhung für Lehrkräfte hat die GEW heute in München zu einer Arbeitsniederlegung der Lehrerinnen und Lehrer am 16. März aufgerufen. Ähnlich wie den Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), der mit seiner "Aktion Rotstift" droht, freiwillige Lehrerleistungen wegen den höheren Belastungen zurückzufahren, bezichtigte Kultusministerin Monika Hohlmeier die GEW deswegen, "zu Lasten von Kindern und Jugendlichen" zu handeln und "Kinder und Jugendliche für gewerkschaftliche Zwecke zu instrumentalisieren".
Die Landesschülervertretung Bayern (LSV) widerspricht Monika Hohlmeier in dieser Darstellung vehement.
"Wir Schülerinnen und Schüler fühlen uns nicht instrumentalisiert", so Vincent Steinl, Vorstandsmitglied der LSV. "Im Gegenteil: Wir verstehen die Wut unserer Lehrkräfte auf die höheren Belastungen und akzeptieren auch, dass sie im Protest auf außergewöhnliche Mittel zurückgreifen."
Auch Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen zwei Monaten ihren Unmut über die Pläne der bayerischen Staatsregierung kund getan, Demonstrationen mit tausenden Teilnehmern in vielen Städten organisiert und an den "Dialog"-Veranstaltungen im Rahmen der kultusministeriellen Road-Show nicht selten mit kritischen Beiträgen teilgenommen.
Im Mittelpunkt der Schülerproteste standen bzw. stehen dabei keineswegs die Forderungen und Befürchtungen der Lehrkräfte oder ihrer Verbände, sondern ganz allein die eigenen Interessen: "Wir wollen weder eine unüberlegte Verkürzung der gymnasialen Schulzeit aus wirtschaftlichen Gründen noch eine Erhöhung der Lehrerarbeitszeit, da sich beides direkt und negativ auf die Qualität unserer Bildung auswirken wird.", so Vincent Steinl weiter, "Auch gegen die teilweise Abschaffung der Lernmittelfreiheit oder die Einführung von Studiengebühren wehren wir uns, da dadurch die soziale Ungerechtigkeit unseres Schulsystems noch verstärkt wird."
Der seitens des Kultusministeriums mehrfach geäußerte Vorwurf, Schüler wären das Sprachrohr der Lehrerverbände, ist skandalös: "Wir Schüler lassen uns nämlich nicht instrumentalisieren", ist sich Steinl sicher. Wenn dies an bayerischen Schulen der Fall wäre, so wäre das ein Armutszeugnis für unser Bildungssystem. "So schlimm, wie Monika Hohlmeier scheinbar befürchtet, sind die Zustände in Bayern zum Glück noch nicht. Wir Schüler vertreten unsere eigenen Interessen und das ist auch gut und wichtig so!"
Um den Forderungen der Schüler Nachdruck zu verleihen, wird die LSV Mitschülerinnen und Mitschüler dazu aufrufen, am 16. März statt des Unterrichts die gemeinsam mit Eltern und Lehrern organisierte Kundgebung in München zu besuchen. "Dieser Schritt scheint leider angesichts der drastischen Kürzungen im Bildungssektor notwendig. Ich lerne gerne, aber ich möchte auch, dass meine Interessen als Schüler in der Schule und von der Politik ernst genommen werden!", so Steinl abschließend.

