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Süddeutsche: "Viele kennen ihre Rechte gar nicht"

29.10.2002: Interview mit Julia Lauterbach über den ersten Realschüler-Kongress

Am Wochenende fand in Kirchheim bei München der erste Bayerische Realschülerkongress statt. Julia Lauterbach (17), Schülersprecherin an der Regensburger Albert-Schweitzer-Realschule, gehört zu den Initiatoren von „ BreaK“. Sie erklärt, warum die Realschüler sich künftig besser organisieren wollen.

SZ: Guten Morgen! Schon wieder fit? Oder noch verkatert vom Wochenende? Lauterbach: Wie bitte?

SZ: Entschuldigung, aber eure Internetseite hat ja doch ein wenig Party-Stimmung verbreitet: Die Leute sollten Schlafsäcke und CD’s mitbringen. Im Gästebuch war von „Vorfreude auf supernette Leute“ und scherzhaft auch von Sponsoring durch Brauereien die Rede. Lauterbach: (ungehalten) Naja. Eine kleine Feier als Ausklang gehört dazu. Die Leute, die später zusammen arbeiten, mussten sich ja auch kennenlernen.

SZ: Stimmt es, dass die Vertreter der Gymnasien vorgeschlagen haben, dass ihr Realschüler euch mal organisiert? Lauterbach: Die Gymnasiasten haben im vergangenen Frühjahr als Anstoss ein erstes Treffen in Würzburg für uns organisiert, an dem 20 Leute teilgenommen haben. Dort entstand die Kongress-Idee.

SZ: Warum mussten die sich mit euren Rechten beschäftigen? Lauterbach: Gute Frage. Die sind ja schon seit 20 Jahren organisiert. Außerdem sind Realschüler auch jünger. Ist das Interesse geweckt, verlassen viele schon die Schule.

SZ: War der Kongress denn ein Erfolg? Lauterbach: Auf jeden Fall. Mit fast 70 Leuten sind mehr gekommen als erwartet. In Arbeitskreisen haben wir zusammengetragen, wie welche Gremien arbeiten, wie sich die verschiedenen Schulordnungen auslegen lassen oder wie eine künftige Pressearbeit aussehen könnte.

SZ: Was ist dabei herausgekommen? Lauterbach: Hauptproblem ist der Mangel an Information. Viele von uns, darunter sogar Schülersprecher, wissen gar nicht, dass sie das Recht haben, Vorschläge an ihren Schulen einzubringen oder dass der Schülervertretung Gelder zustehen. Wir müssen aufklären, solche Treffen wiederholen. Jetzt ist die Motivation da, mehr zu machen, mehr zu fordern.

SZ: Wie wollt ihr das umsetzen? Lauterbach: Zunächst wollen wir ein Informationsforum für Realschüler aufbauen. Einen E-mail-Verteiler zum Beispiel, damit wir enger zusammen arbeiten. Außerdem soll es wie bei den Gymnasien Bezirkstreffen geben, wo Bezirksschülersprecher gewählt werden. Das Fernziel ist, dass diese vom Kultusministerium anerkannt werden. Noch steht in der Realschulordnung, dass Bezirke übergreifenden Projekte nicht vorgesehen sind. Das hätten wir gerne gestrichen.

SZ: Gab es da schon positive Signale? Lauterbach: Das Ministerium hatte zugesagt, einen Vertreter zu unserem Kongress zu schicken, der ist aber nicht gekommen.

Interview: Marten Rolff


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