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SZ: "Nur ein Grußwort auf Video"

24.09.2004: Die Süddeutsche Zeitung über 20 Jahre LSV

Süddeutsche Zeitung, 24.09.2004, Seite 45 Autor: Marten Rolff

Bayern Nur ein Grußwort auf Video Landesschülervertretung feiert 20. Geburtstag - das Kultusministerium kneift

Oft waren es Petitessen, die die Beziehung zwischen Kultusministerium und Landesschülervertretung (LSV) belasteteten. Kleine Provokationen, die nicht weiter wichtig waren, aber genau zeigten wie jede Seite tickte. Wie dieser Info-Kurzfilm, den die LSV im Ministerium für ihren Nürnberger Schülerkongress "Basis 2001" drehen durfte. Und der nach Meinung der Beamten nur bestätigte, wie sehr man Zugeständnisse bereuen kann. Und wie gut es war, dass Monika Hohlmeier nicht in Nürnberg dabei war. Weil der Ministerin so "äußerst professionell geschnittene fünf Minuten Totalveralberung ihres Ministeriums und das Gegröle hunderter Schüler" erspart blieben, wie der zuständige Referatsleiter Michael Weidenhiller erzählt. "Dieser Film hat unser Verhältnis damals politisch stark zurückgeworfen."

Einfach war es eben nie zwischen Kultusministerium und LSV. Und wenn die Landesschülervertretung heute im Würzburger Café Cairo ihr 20-jähriges Bestehen als Verein feiert, dürfte ein solches Fazit sie wohl auch ein wenig stolz machen, war ihr doch der Streit mit der Staatsregierung institutionell in die Wiege gelegt. Bis heute weigert sich der Freistaat als einziges Bundesland, seine Schülervertreter im Schulgesetz zu verankern. Und so gründeten Bayerns Bezirksschülersprecher 1984 die Landesschülervertretung e.V. vor allem, um der Bevormundung durch das Ministerium zu entgehen. Seitdem führt die eine Seite einen unbequemen Kampf um Anerkennung und ein demokratischeres Schulwesen: mal konstruktiv, wie mit der Organisation der bayerischen "Basis-Schülerkongresse"; mal aufmüpfiger, wie mit den Demonstrationen von 2001. Während die andere Seite sich in professioneller Nichtbeachtung übt: mal mit hinhaltend-lobenden Worten; mal durch rücksichtsloses Durchgreifen, wie 1989, als das Kultusministerium vor Gericht damit scheiterte, die LSV aus dem Vereinsregister streichen zu lassen.

"Das jahrelange Gezerre", sagt Referatsleiter Weidenhiller, sei heute "vom Tisch". Warum die Anerkennung noch nicht erfolgt ist, können jedoch beide Seiten nicht ganz erklären: "Die haben Angst vor uns", scherzt der Münchner Bezirksschülersprecher Lukas Hellbrügge. "Wir können nicht einen Verein als einzige Vertretung legitimieren, doch ist das Verhältnis zunehmend konstruktiv", so Weidenhiller. Die LSV habe sich gemausert. "Schwer beeindruckt" sei man von den rhetorisch und politisch versierten Schülervertretern.

Das Ministerium hat daher - politisch nicht ungeschickt - zwei Tage nach der G8-Verkündung im November 2003 einen Landesschülerrat vorgeschlagen. Wann dieser kommen und wie er aussehen soll, will freilich niemand sagen. "Wir freuen uns zwar über die Annäherung, wollen aber nicht den Spatz in der Hand", erklärt der LSV-Vorsitzende Lorenz Seibl. Ein reines Gymnasiasten-Gremium hat die LSV bereits 2001 abgelehnt. Den Schülern schwebt die Vernetzung aller Schularten durch die Wahl von Kreis- und Stadträten, eine eigene Geschäftsstelle und ein Jahres-Etat von 500 000 Euro vor. Das sei derzeit nicht finanzierbar, auch in abgespeckter Form sehe es sehr schwierig aus, heißt es im Ministerium.

Inhaltlich gebe es indes keine Probleme mehr, glaubt Weidenhiller. Die massive Kritik der LSV an den "Ungleichheiten im dreigliedrigen Schulsystem", der "zu starken Selektion in Bayern" oder der "schülerfeindlichen Umsetzung des G8" - all das könne man aushalten, behauptet der Referatsleiter. Am Würzburger Wochenende der LSV, an dem eigentlich ein Streitgespräch stattfinden sollte, nimmt trotzdem lieber niemand vom Ministerium teil. Immerhin: Weidenhiller hat ein Grußwort auf Video geschickt.


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