Pressemitteilung der LSV: "Es wird wieder mal am falschen Ende gekürzt"
07.07.2005: Pressemitteilung der LSV Bayern mit freundlicher Bitte um Beachtung:
Streichung der Intensivierungsstunden am G8 - es wird mal wieder am falschen Ende gekürzt... Echte Ganztagsschule statt Mogelpackung G8
Die Intensivierungsstunden waren die "Innovation", die das achtjährige Gymnasium (G8) mit sich brachte. Jetzt sollen diese gestrichen werden, um der Kritik an der hohen Stundenanzahl und der Überforderung der Schülerinnen und Schüler entgegenzuwirken. Die Landesschülervertretung Bayern meint jedoch, dass mit der Streichung gerade dieser Stunden ein großer Fehler auf Kosten der Schülerinnen und Schüler begangen wird.
"Damit wird den Schülerinnen und Schülern das genommen, was eines der wenigen wirklich positiven Dinge der Einführung des G8 waren. In den Intensivierungsstunden wird den Schülerinnen und Schülern Zeit gegeben, in kleineren Lerngruppen den Stoff zu vertiefen und zu wiederholen," sagt Raphaela Schweiger, Mitglied im Landesvorstand der Landesschülervertretung Bayern. "Die Stundenanzahl ist nicht das Element, das Schülerinnen und Schüler als Belastung empfinden, sondern die Art der Unterrichtsgestaltung. Überfüllte und nicht zeitgemäße Lehrpläne und Druck durch Noten - also ständigen Standards, die erreicht werden müssen - prägen die Schülerinnen und Schüler," erklärt Schweiger. "Die Schulen brauchen pädagogische Freiheit, sodass Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit ihren Schülerinnen und Schülern lernen und sich weiterentwickeln können. Das braucht Zeit," meint Schweiger weiter. "Der Kompromiss, diese Stunden zu streichen befriedigt keinesfalls unsere Forderungen nach weniger Unterrichtsstoff, geringerer Stundenanzahl und Entlastung der Schülerinnen und Schüler, denn das, was in den Intensivierungsstunden wiederholt und vertieft wird, müssen die Schülerinnen und Schüler dann wohl in kostspieliger Nachhilfe am Nachmittag nachholen," so Schweiger.
Abschließend sagt die Schülerin: "Wir brauchen eine echte Ganztagsschule, in der Schülerinnen und Schüler ihre Schule als Lebensraum sehen und keine Mogelpackung G8, in der überforderte Schülerinnen und Schüler einen Großteil des Tages in der Schule sitzen und frontale Stoffvermittlung erfahren und bis spät in den Abend lernen müssen. Ganztägig lernen bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler in einem "Lebensraum Schule gemeinsam" lernen und leben. Nicht das sture Auswendiglernen bringt uns Schülerinnen und Schüler weiter, sondern Selbständigkeit und Eigeninitiative sind Kompetenzen, die wir in Leben und Beruf brauchen."
Über die Landesschülervertretung Bayern:
Die Landesschülervertretung Bayern e.V. ist die landesweite Vereinigung der 16 bayerischen Bezirksschülersprecherinnen und Bezirksschülersprecher. Diese gibt es leider nur für Gymnasien. Die Schaffung von Interessenvertretungsstrukturen für alle Schularten ist deshalb eines unserer zentralen Anliegen. Die LSVe.V. wurde vor zwanzig Jahren von den damaligen BezirksschülersprecherInnen gegründet und bis heute nicht - wie in anderen Bundesländern der Fall - gesetzlich verankert und mit Rechten und Finanzen ausgestattet. Es gab Anfang der Neunziger sogar Bemühungen seitens des Kultusministeriums, die LSV aus dem Vereinsregister zu streichen. Dies konnte glücklicherweise verhindert werden.

