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Pisa-Test zeigt nur halbe Wahrheit

06.12.2001: BJR: abrechenbares Formalwissen kein allgemeines Bildungsziel

Nach Ansichten des Bayerischen Jugendrings (BJR) ist die Aufgeregtheit über die Ergebnisse der Pisa-Studie unehrlich. "Keiner kann behaupten, er hätte nichts über die erschreckenden Zustände im Bildungssystem gewusst. Der BJR weist seit Jahren auf die dringend notwendige Bildungsreform hin - bislang stießen wir damit stets auf taube Ohren", so Martina Korbiger, Präsidentin des BJR, heute.

Zunächst sei aber die Studie inhaltlich und methodisch zu hinterfragen. Wenn rein quantifizier- und messbare Formalbildung geprüft werde, lässt dies keinerlei Formalzusammenhang zum Bildungsniveau zu. "Bildung ist nach unserem Verständnis mehr als der Durchschnitt von Noten, die aufgrund von Tests abrufbaren Einzelwissens vergeben werden", so Korbiger weiter.

Lerninhalte auf dem Prüfstand

Was, wie und wann etwas gelernt werden soll, damit ein echter Zugewinn an Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kompetenzen für junge Menschen entsteht, zeigen die Angebote außerschulischer Jugendbildung. Der Ansatz der Vermittlung von Bildung ist dort die heutige Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. Bildungsangebote sind im Bereich Jugendarbeit - im Gegensatz zur Schule - konsequent selbstbestimmt und demokratisch.

Mitbestimmung als Qualitätskriterium

Nur wenn Bedürfnisse von Schüler/-innen erfragt und ernst genommen werden, wird Bildung Spaß machen. Die Möglichkeiten der Einflussnahme von Eltern und Schüler/-innen ist aber nach wie vor nicht vorgesehen. Hieran krankt das Schulsystem und letztlich spiegelt sich dies in der Pisa-Studie wider. "Schule ist im Leben junger Menschen ein so zentraler Lern- und Lebensort, dass äußere Retuschen - wie die sogenannte Schulreform in Bayern -nicht den Anforderungen der Realität genügen. Bildung ist komplexer, als dass sie mit der Einführung von R6, M- oder P-Klassen adäquat behandelt wäre. Der Bayerische Jugendring sieht seinen Beitrag zu einer nachhaltigen Reform des Bildungssystems und damit der Entwicklung bedarfsgerechter Angebote für junge Menschen im Ausbau und der Optimierung außerschulischer Jugendarbeit. Das Lernfeld, das wir damit bieten, wird in vielen Punkten den Anforderungen unserer globalisierten Gesellschaft gerechter als Schule. Die oft zitierten Schlüsselqualifikationen werden in der Jugendarbeit mit Leben erfüllt. Berücksichtigt man dies und führt zudem künftig validere Studien zur Bewertung des Bildungsniveaus ein, werden deutsche Schüler/-innen sicher besser abschneiden als jetzt", so Kobriger abschließend.


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