Kultusministerkonferenz warnt vor Einsparungen bei den deutschen Schulen im Ausland
06.12.2001: Gespräch der Kultusministerkonferenz mit Staatssekretär Chrobog, Auswärtiges Amt
Bonn. Anlässlich ihrer 296. Plenarsitzung am 05./06. Dezember 2001 gab die Kultusministerkonferenz im Gespräch mit dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes Jürgen Chrobog ihrer Sorge über die derzeitige finanzielle Situation des Auslandsschulwesens Ausdruck. Die Haushaltsplanung der Bundesregierung gefährde die gemeinsamen Ziele von Bund und Ländern in der Auswärtigen Kulturpolitik.
Weltweit gibt es 119 deutsche Auslandsschulen, die rund 70.000 Schülerinnen und Schüler besuchen. Sie dienen der Sicherung und Versorgung deutscher Kinder im Ausland und sind dem Begegnungsgedanken verpflichtet, d.h. der Pflege deutscher Sprache und Kultur im Ausland und der Begegnung mit der Kultur des Gastlands. Im Zeitalter von Globalisierung und internationalem Wettbewerb gewinnt - darüber bestand in dem Gespräch Einigkeit - die Ausbildung von deutschen und ausländischen Schülern in deutschen Bildungseinrichtungen im Ausland eine immer stärkere Bedeutung für Wirtschaft und Kultur, nicht zuletzt auch für den Bildungs- und Studienstandort Deutschland. Darüber hinaus hat der Beitrag der Auslandsschulen zum Dialog der Kulturen und damit zur Konfliktprävention in den vergangenen Monaten erkennbar an Bedeutung gewonnen.
Hintergrund für die Befürchtungen der Länder sind die massiven Kürzungen im Schulfonds des Auswärtigen Amtes: 1998 standen für das Auslandsschulwesen 376 Mio DM zur Verfügung, 2001 waren es 347 Mio, und für 2002 ist eine Kürzung um weitere 14 Mio DM vorgesehen. Die Einsparungen können schon im kommenden Jahr dazu führen, dass Schulabschlüsse von Auslandsschulen in Deutschland nicht anerkannt werden, da dies von einer durch die KMK vorgegebenen Mindestanzahl deutscher qualifizierter, unterrichts- und prüfungserfahrener Lehrkräfte vor Ort abhängt: Die Haushaltsplanung für das Jahr 2002 weist 1.055 Stellen aus, die von den Ländern zur Sicherung der Abschlüsse festgesetzte Richtzahl beträgt hingegen 1.245 Auslanddienstlehrkräfte. Die Länder haben in den vergangenen Jahren Bereitschaft und Flexibilität gezeigt, wenn es darum ging, fehlende Stellen durch andere qualifizierte Lehrkräfte zu besetzen, sehen sich nun aber außerstande, weitere Kürzungen aufzufangen.
Daher und aufgrund des beiderseitigen Einverständnisses über die Bedeutung für die Förderung der deutschen Kultur im Ausland appellierte die Kultusministerkonferenz eindringlich an den Bund, seinen Verpflichtungen für das deutsche Auslandsschulwesen auch weiterhin ohne Einsparungen nachzukommen.
Für die Kultusministerkonferenz ist dieses Thema von so großer Brisanz, dass sie plant, es zum Gegenstand eines Spitzengesprächs auf höchster politischer Ebene zwischen den Ländern und dem Bund zu machen.

