"Nirgends Position so schwach"
18.03.2003: Zurückhaltende Reaktion im Ministerium — BLLV: "Gesamtverantwortung der Lehrer"
Lehrerverband hat durchaus Verständnis für Mitsprache-Forderungen der Schüler
MÜNCHEN — Für
Bayerns Schülervertreter zeichnet sich nach dem Kongress "basis 03" ab,
dass sich deren Mitwirkungsmöglichkeiten bald deutlich verbessern könnten.
"Wir stehen dem Ganzen sehr aufgeschlossen gegenüber", sagt Michael
Weidenhiller, im Kultusministerium zuständig für den Bereich der Schülermitverantwortung.
Weidenhiller hatte den Schülerkongress am Wochenende in Regensburg selbst
besucht. Es sei "bewundernswert, mit welchem Engagement die Schüler
gearbeitet haben", sagt er. "Und es wäre schade, wenn das wirkungslos
verpuffte." Entsprechend hat Staatssekretär Karl Freller den Schülern
bereits zugesagt, dass er mit ihnen weiter reden will "über das, was sinnvoll
und machbar ist". "Genauer könne er noch nicht werden", sagt Weidenhiller, "weil die
16 Bezirksschülersprecher erst einmal ihre Forderungen zusammen schreiben
wollen." Immerhin hatten sie mit rund 800 anderen Schülern in gut 50
Workshops ausgelotet, wie sie sich die Schülermitverwaltung in Bayern künftig
vorstellen.
Dass hier einiges im Argen liegt, bestreiten auch die Lehrer nicht.
"Demokratie erschöpft sich doch nicht nur in der Institutionenkunde", sagt
Albin Dannhäuser als Vorsitzender des Bayerischen Lehrer- und
Lehrerinnenverbandes (BLLV). "Sie muss gelebt werden, auch wenn das für alle
etwas anstrengender ist — aber das ist Demokratie immer." Dannhäuser kann
die Forderungen der Schüler in ihren Grundzügen mittragen. Bislang sei die Schülermitverwaltung
auf Landesebene gesetzlich nicht geregelt; es gebe weder ein Klage- noch ein
Vetorecht, anders als in den meisten übrigen Bundesländern. "Nirgendwo ist
die Position der Schüler so schwach wie bei uns", sagt der BLLV-Präsident.
Allerdings ist Dannhäusers Unterstützung nicht grenzenlos. Er plädiert zwar
"für eine Beteiligung am Schulgeschehen" ebenso wie für landesweite
Regeln. Doch gleichzeitig tritt er für eine "abgestufte Verantwortung
zwischen Schülern, Eltern und Lehrern"
ein. "Die Lehrer sind haftbar, sie unterliegen der Fürsorgepflicht und tragen
die Gesamtverantwortung." Wenn aber die Schülersprecher für eine bayernweite
Gesamtvertretung kämpfen, die keinen Unterschied zwischen den Schularten macht,
dann stoßen sie bei Dannhäuser auf offene Zustimmung. Andere Forderungen, wie
die nach einem Ende der Zensur von Schülerzeitungen, will er lieber
unkommentiert lassen.
ROLAND ENGLISCH
Nürnberger Nachrichten, 18.03.2003

